Kapitel 1

Die meisten Menschen sind Blind für die Gefahren welche im Schatten lauern. Ihre Sinne sind abgestumpft. Sie haben sich daran gewöhnt, dass wir sie beschützen, auch wenn sie es selbst vergessen haben. Wir bleiben Wachsam und beschützen sie, denn das ist unsere Aufgabe, seit alters her. – Sucher Langzahn


 Eigentlich ist der Winter etwas richtig tolles! Das weiße Zeug liegt überall herum und man kann toll darin herum toben. Außerdem sind die Spuren so einfach zu verfolgen. Die Nachteile sind der kalte Wind und die spitzen Steine auf den Straßen. Zum Glück aber sind die lauten Tage, wo es überall Knallt, Leuchtet und die Luft stinkt, vorbei. Es ist einfach herrlich wenn die Luft wieder frisch riecht!

Der Wind trägt den sanften Hauch von Tanne und Fichte mit sich. Hin und wieder mischen sich noch ganz leichte Nuancen von anderen Dingen hinein, wie Vögel, Hunde oder sogar Nagetiere. Mit geschlossenen Augen sitze ich da und lasse die verschiedenen Düfte durch meinen Kopf wirbeln und ein Bild davon zeichnen. „Hey, Pfötchen! Wenn du da oben noch lange Löcher in die Nacht starrst kommen wir zu spät!“, dringt die aufgeregte Stimme von Weißpfote an meine Ohren und dort unten im Laternenlicht steht er auch schon. Ganz aufgeplustert vor lauter Aufregung, mit dem Schweif hoch aufgerichtet. Auffallend ist nur die rechte Vorderpfoten die ganz weiß ist, im Gegensatz zum restlichen, nachtschwarzen Fell. „Beruhig dich doch ein wenig, wir haben noch mehr als genug Zeit“, entgegen ich amüsiert und zuckte leicht mit den Ohren. „Ich will aber früh genug da sein! Sonst sind die ganze guten Plätze schon besetzt!“, mauzt er nervös und dreht sich einmal um sich selbst. Belustigt schüttle ich den Kopf und springe elegant von der Mauer hinunter auf die Straße zu Weißpfote. Kurz reiben wir zur Begrüßung die Köpfe aneinander. „Ich weiß wirklich nicht warum du so einen Aufstand wegen diesem Parlamentstreffen machst“, meine ich und strecke mich genüsslich. Er schaut mich mit großen Augen an und schüttelt anschließend den Kopf. „Es ist das Jahrestreffen! Und es sind nicht nur wir Katzen anwesend. Auch die Krähen, Raben und Eulen werden zumindest ein paar Abgesandte schicken, genau wie alle anderen die es einrichten können. Es ist einfach die Versammlung und wir haben Anwesenheitspflicht, außer etwas Wichtiges kommt dazwischen.“, erklärt Weißpfote überschwänglich während wir uns langsam in Bewegung setzen. Ich höre es ja nicht zum ersten Mal. Er ist schon seit Wochen völlig außer sich wegen dieser Versammlung und will mich unbedingt dorthin mitzerren. Soweit ich bisher aus ihm herauskitzeln konnte, hat er von den anderen Katzen die Aufgabe erhalten, mich im Auge zu behalten. Ich kann es zumindest ein wenig verstehen. Immerhin lebe ich erst recht kurz hier und Weißpfote war die erste andere Katze die ich getroffen habe. Wir haben uns recht gut verstanden und er hat mir auch einiges von der Welt außerhalb meines Gartens erzählt. Andere Katzen habe ich aber nur von der Ferne gesehen. Aus irgendeinem Grund scheinen sie mich ein wenig zu meiden. Weißpfote jedenfalls schwärmt immer von seiner Mentorin Sucher Silberfell und dass er auch ein Sucher werden will. „Jetzt beeil dich doch mal! Warum musst du immer so trödeln?“, mauzt Weißpfote mich aufgeregt an. Kurz schüttle ich den Kopf und hole schnell die wenigen Katzenlängen Vorsprung auf. Der schwarze Kater mit der weißen Pfoten führt mich von den beleuchteten Straßen weg, abseits in den dunklen Wald, dort wo das weiße Zeug zum Großteil unberührt liegt und man kaum eine Spur finden kann. „Bist du sicher, dass wir hier richtig sind? Scheint eher als wäre hier gar nichts“, frage ich eine Weile nachdem wir nur so zwischen unberührten Bäumen hindurchgeschlichen sind. „Wir sind so gut wie da, nur noch ein kleines Stückchen weiter“, versichert er mir und bewegt sich noch etwas schneller durch den dunklen Wald. Es ist verdammt ruhig hier. Man hört fast gar nichts von den Menschen und ihren lauten Maschinen, aber auch sonst gibt es hier nicht viel zu hören. „Weißpfote? Ich glaube nicht, dass wir hier richtig sind“, meine ich mit einem unbehaglichem Gefühl. Keine Antwort. Irritiert bleibe ich stehe und schaue mich vorsichtig um. „Weißpfote?“, rufe ich vorsichtig in den Wald. Keine Antwort. Mir stellt sich das Fell in alle Richtungen auf. Mit einem leisen Knurren bewege ich mich vorsichtig weiter. Langsam setze ich eine Pfote vor die andere, schaue mich bei jedem Schritt wachsam um und versuche mögliche Geräusche wahrzunehmen. Aber bis auf das knirschenden Geräusch meiner Pfoten auf dem weißen Zeug ist nichts zu hören. Langsam pirsche ich mich weiter vor, auch wenn ich nicht genau weiß wohin es eigentlich gehen soll. Leider hat mir Weißpfote nicht genau gesagt wo das Treffen sein soll und vor allem wollte er mich dorthin führen. Nur leider ist er jetzt Spurlos verschwunden und ich muss meinen Weg wohl selbst finden. Hoffentlich taucht auch Weißpfote dort wieder auf. Trotzdem bleibe ich wachsam, so ganz geheuer ist es nicht. Immer wieder bleibe ich stehen, atme die Luft tief durch Mund und Nase ein um eine Witterung aufzunehmen. Aber nichts. Genauso verhält es sich mit den Geräuschen, es ist unnatürlich still. Mit einem Mal ist es völlig Dunkel! Kein Licht scheint es mehr zu geben, sodass selbst eine Katze nichts mehr sehen kann. Angespannt bleibe ich stehen und beginne laut zu fauchen.


Update 14.01.15 Mit gebuckelten Rücken und aufgestelltem Fell fauche ich die Dunkelheit weiter an, bis schließlich ein Lachen erklingt und ich mit einem Mal wieder sehen kann. „Du hast recht Weißpfote, sie klingt wie eine kleine Wildkatze.“, erklingt eine amüsierte Stimme hinter mir. Schnell drehe ich mich um und erblicke eine etwas ältere silbergraue Katze mit blauen Augen. Neben ihr tapst Weißpfote daher, der wirkt als wäre er lieber irgendwo anders. „Das war überhaupt nicht lustig!“, fauche ich ungehalten woraufhin Weißpfote zurück zuckt. Die andere Katze scheint davon aber gar nicht beeindruck sondernd eher amüsiert zu sein. Freundlicht zwinkernd sagt sie: „Kein Grund auf Weißpfote wütend zu sein. Er hat nur das getan worum wir ihn gebeten hatten.“ Dabei kommt sie direkt auf mich zu und schnuppert anschließend an mir. „Ich bin Sucher Silberfell“, stellt sich die graue Katze dabei vor. Nach kurzem Zögern erwidere ich die Begrüßung und nehme auch ihren Geruch vorsichtig auf. „Ich bin Pfötchen“, erwidere ich mich vor und entspanne mich dann langsam wieder. Silberfell zuckt mit den Ohren und betrachtet mich eingehend. „Wegen der Fellzeichnung“, stellt sie fest und leckt mir anschließend über den Kopf. „Du sollst ja nicht ganz zerzaust aussehen“, murmelt die Katze leise während sie mein Fell sorgsam mit ihrer Zunge bearbeitet. Dabei entlockt sie mir auch ein sanftes Schnurren. Viel zu schnell für meinen Geschmack liegt mein Pelz auch schon wieder ordentlich. Inzwischen hat sich auch Weißpfote näher heran getraut. Er schaut mich mit richtig großen Augen unschuldig an, sodass mir gar nichts anderes übrig bleibt als zu sagen: „Ich bin dir nicht böse und ich wird dich dafür auch nicht fressen.“ Er wirkt auf der Stelle erleichtert und sitzt auch gleich etwas größer da. Kurz darauf erklingt einmal mehr ein Lachen und dieses Mal sind es gleich mehrere Stimmen! Schnell füllt sich die Lichtung mit jeder Menge Katzen in allen Farben. In den Ästen machten sich große Vögel und sogar ein paar Fledermäuse breit. Richtig hektisch geht es zu und ehe ich mich versehe, hat Silberfell mich und Weißpfote auf die Seite geführt wo wir ruhig warten sollen. Ich nutze die Zeit gleich um noch ein wenig mein Fell zu putzen und besonders meine Pfoten ein wenig sauber zu machen. Dieser salzige Geschmack ist allerdings ziemlich widerlich! Das sogenannte Parlament tritt zur Tagung. Eine wirklich ätzend langweilige Sache! Die alten Katzen reden über Revierprobleme und anderes Zeug. Ganz besonders oft schimpfen sie über die Dummheit ihrer Bürden. Hin und wieder mischt sich ein Rabe ein oder auch eine Eule. Das Alles ist so verdammt spannend, dass ich fast im Sitzen einschlafe! Kurz bevor es wirklich soweit ist, stupst Weißpfote mich an. „Hmm? Was ist?“, fragt ich gähnend und schaue meinen Spielkameraden schief an. Er deutet kurz mit der Nase zu den Vorsitzend und erst in dem Moment wird mir klar, dass sich aller Aufmerksamkeit auf mich gerichtet hat. Fast augenblicklich mache ich mich möglichst klein und zucke nervös mit den Ohren. „Wie ich gerade sagte, haben wir einen Neuzugang heute hier. Kommst du bitte in die Mitte, Pfötchen“, wiederholt sich ein alter, weißer Kater mit einem markant hervorstehenden, langen rechten Fangzahn. Mit angelegten Ohren tapse ich wie angeordnet in die Mitte und versuche dort möglichst klein und unsichtbar zu wirken. Ganz wohl ist mir bei den neugierigen Blicken nicht! Ich kann richtig spüren wie die Augen über mein sandfarbenes Fell wandern und jeden der schwarzen Flecken genau betrachten. Besonders jene, die das Muster einer Pfote formen und der Grund für meinen Namen sind. Aber auch meine langen Beine und großen Ohren scheinen im Fokus zu stehen. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor in der ich so eingehend gemustert werde und leises Raunen durch die Menge geht. „Wirklich ganz Außergewöhnlich. Aber kommen wir zum Punkt“, mauzt der alte Kater und erlöst mich so von den Blicken. Ich setze mich aufrecht hin und richte meinen Blick ebenfalls zum Vorsitz des Parlaments. Der weiße Kater plustert sich ein wenig auf und beobachtet die Versammlung eingehen ehe er wieder das Wort ergreift: „Jede Katze hat die Pflicht die Menschen so gut es geht vor Gefahren zu schützen. Um dieser Aufgabe nachkommen zu können, müssen wir unsere Jungen entsprechend schulen. Früher war das die Aufgabe der Eltern, doch heuten sind sie meist kaum lange genug zusammen. Daher ist es die Pflicht der älteren Katzen die junge Generation auf ihre Aufgabe vorzubereiten. Entsprechend wird auch Pfötchen eine Mentor bekommen.“ Kaum das der alte Kater ausgesprochen hat, dringt ein vergnügtes Lachen auf die Lichtung. Nur Momentan später tauchen mehrere Katzen zwischen den Bäumen auf. Sie wirken ein wenig zerzaust und haben eckigere Köpfe. Außerdem ist ihr Fell auffällig gestreift. „Sicher dass ihr euch da nicht übernehmt?“, fragt eine der Katzen mit hellgrauen Augen, offensichtlich Amüsiert. Aller Blicke richten sich auf die Neuankömmlinge, die so offensichtlich Stolz und Wild dasitzen. Der alte Kater mit dem langen Zahn wirkt einen Momentan lang recht überrascht eher er reagiert. „Mondauge! Dich und deinen Clan haben wir nicht erwartet. Wir sind natürlich geehrt, dass ihr uns einen Besuch abstatten. Hat es den einen besonderen Grund?“, begrüßt er die Katzen freundlich. Mondauge schüttelt sich kurz und leckt sich über die Nase ehe sie gemütlich antwortet und sich zugleich das Gesicht wäscht: „Gerüchte reisen schnell und uns kam zu Ohren, dass ihr eine junge Katze aufnehmt, die vielleicht nicht ganz eure Kragenweite ist. Zumindest wenn ihr Fauchen ein Indikator dafür ist. Verwirrt schaue ich zwischen dem Parlamentsvorsitz und den Wildkatzen hin und her. Ich mache mich sicherheitshalber ein wenig kleiner und Versuche wenn möglich nicht bemerkt zu werden. So ganz geheuer ist mir die Sache jetzt nicht mehr. Mit angelegten Ohren warte ich gespannt ab. Leider aber ist es mir nicht vergönnt unbemerkt zu bleiben. Die Wildkatze schleicht elegant in die Mitte zu mir und betrachtete mich mit einem sprichwörtlichen Katzengrinsen. „Na na, keine Grund sich klein zu machen“, meint Mondauge leise zu mir ehe sie sich wieder dem weißen Kater zuwenden: „Sucher Langzahn! Wir, Clan Nordwind, suchen hiermit offiziell darum an, die Ausbildung von Pfötchen zu übernehmen oder zumindest daran beteiligt zu werden.“ Das Schweigen ist richtig Ohrenbetäubend! Es vergehen mehrere Minuten in denen niemand etwas sagt ehe Sucher Langzahn sich räuspert. „Das ist ein sehr ungewöhnliches Ansuchen von euch. Am besten wir bereden es in Ruhe. Einverstanden?“, fagt der Kater die Wildkatze welche nur kurz nickt. „Hiermit ist die offizielle Versammlung aufgelöst. Das Parlament und der Clan Nordwind ziehen sich zur Beratung zurück!“, proklamiert Langzahn laut. Die meisten der Anwesenden erheben sich oder flattern direkt weg. Bevor ich mich zu Weißpfote schleichen kann, erwischt mich Mondauge und leckt mir sanft über den Kopf. „Wir sehen uns bestimmt wieder, Pfötchen.“, raunt sie mir zu und schubst mich frech in Richtung Weißpfote.


update 21.01.15 Puh, was bin ich froh von dieser Versammlung weg zu kommen! Ich hab ja eigentlich nichts dagegen ein wenig im Mittelpunkt zu stehen, aber das war eindeutig zu viel. Weißpfote ist auch nicht sonderlich gesprächig während wir uns langsam auf den Weg nach Hause machen. Es geht in den gemütlichen Schritt durch den Wald zurück auf die Straße und damit auch wieder ins künstliche Licht. Inzwischen kommt auch wieder ein wenig von dem weißen Zeug von oben herab und tanz verführerisch in der Luft. Es glänzt ganz besonders hübsch wenn es von den Lichtstrahlen getroffen wird. „Aufregend so ein Treffen was?“, durchbricht Weißpfotes Stimme die Stimme. Ich schüttle den Kopf und wende den Blick von den glänzenden Dingern zu ihm. Ganz nervös sitzt er da und hebt abwechselnd eine seiner Vorderpfoten vom Boden. „Also, ich fand es ziemlich einschläfernde“, gebe ich mit einem leichten Gähnen zu. Weißpfote ist sofort neben mir und kuschelt sich ein wenig an mich. „Das liegt nur daran, dass du noch völlig neu bist! Beim nächsten Treffen hast du mit dem Allen schon viel mehr zu tun und es ist nicht mehr so langweilig“, meint er und reibt zugleich seinen Kopf an meinem Hals. Leise schnurrend lecke ich Weißpfote noch kurz über die Nase und frage: „Willst du mit rein kommen?“ Er schüttelt kurz den Kopf und erwidert: „Nein, ich kann nicht. Ich muss nach Hause zu meinen Bürden. Die kleine Eva vermisst mich sicher schon.“ „Na dann sieh zu, dass du sie nicht zu lange alleine lässt!“, meine ich und schubse Weißpfote frech an. Dieser dreht sich einmal im Kreis, leckt mir noch über die Nase und wuselt dann mit einem kurzen „Bis Morgen Pfötchen!“ davon. Ein wenig verweile ich noch, lecke mit über die Nase und schaue dem Tanze der weißen Dinger im Licht zu, ehe ich mich ausgiebig strecke und mich anschießend auf den Weg in meinen Garten mache. Anstatt aber den anstrengenden Weg zu nehmen, schleiche ich mich frech zwischen den kalten Stäben hindurch. Es ist zwar etwas eng und vor allem recht kalt, aber dafür muss ich nicht springen. Ein kurzer Streifzug noch durch mein Revier und dann geht’s auch schon durch die Klappe nach drinnen ins Warme. Der Boden ist angenehm warm und in der Luft liegt der Geruch von frischem Tee. Neugierig schnuppernd tapse ich in den Futterraum. Dort erwartet mich auch ein Schälchen mit warmer Milch, auf welches ich mich gleich schnurrend stürze. Dieses ganze Parlamentszeug macht einen wirklich durstig. Genüsslich lecke ich mir die Milch aus den Schnurrhaaren und strecke mich ausgiebig. Ein kleines Häppchen käme mir jetzt auch noch gelegen. Mit hoch aufgerichtetem Schwänzchen und gespitzten Ohren mache ich mich auf die Jagd nach meinem Menschen. Sonderlich schwer ist es ja nicht. Ich muss nur den klappernden Geräuschen folgen. Geschwind wusle ich die Stufen nach oben und durch den Gang direkt ins Zimmer mit dem geklapperte. Sie ist im Schmusezimmer! Mit einem lautem Miau kündige ich mein Eintreffen an und springe schon durch den Raum! Mein Mensch liegt gemütlich auf dem großen Kuschelkissen, die Beine ausgestreckt und das komische leuchtenden Teil auf ihrem Schoß. Und mit den Fingern haut sie auf so komische Knöpfe die dann immer klappern. Mit einem gewagten Satz aber bin ich auch schon oben und mache es mir auf ihrem Bauch bequem. „Hey, Cleo süße. Wo warst du denn mein Schmusekätzen?“, raunt sie mir zu und wuschelt mir zugleich durch meinen Pelz. Laut schnurrend drücke ich meinen Kopf immer wieder fordernd gegen die Hand meines Menschen. Leider sind Menschen etwas Begriffsstutzig oder sie wollen das absichtlich nicht verstehen. Ich bin mir da nicht so ganz sicher, jedenfalls ist es harte Arbeit einem Menschen verständlich zu machen, dass man ein kleines Häppchen haben will! Nach Minutenlangen schmusen, knuddeln und schnurren nehme ich einfach die etwas aggressivere Vorgehensweise und knabbere meiner Bürde frech am Finger. „Jaja, schon gut. Bekommst auch ein Leckerli“, sagt sie schließlich und hebt erst das leuchtende Etwas und anschließend mich von sich runter. Das Schöne an meinem Menschen ist, sie scheint immer so ein kleines Häppchen für mich dabei zu haben, ganz egal wo. Das sind so komische runde Dinger, die etwas Zäh sind, aber richtig lecker Schmecken und lustig zum drauf rum kauen sind. Irgendwer meinte mal, die wären aus Hunden. Ich glaube aber Hunde schmecken anders. Oder war es sie wären für Hunde? Das würde irgendwie ein wenig mehr Sinn machen. Jedenfalls sind sie total lecker! Ein wenig unruhig warte ich neben dem leuchtenden Gerät. Neugierig schaue ich es mir genauer an. Das ganze Ding ist voller komischer Buchstaben, genau wie die seltsamen Tafeln die die Menschen überall aufstellen damit sie sich nicht verlaufen. Allerdings braucht man das doch Zuhause nicht oder? Hier kann man sich wohl kaum verlaufen. „Komm Cleo, hol‘s dir!“, ruft mich auch schon mein Mensch. Blitzschnell wende ich den Blick in die entsprechende Richtung. Und da warte sie auch schon darauf, dass ich das seltsame Spiel mit ihr Spiele, das ich doch immer gewinne. Mein Mensch hält das Leckerli hoch und ich muss es erreichen. Eigentlich wollte ich mich heute nicht mehr sonderlich anstrengend, aber diese Fleischkringel sind so verdammt lecker! Mit einem leisem Miau hüpfe ich vom großen Kuschelkissen und schleiche meinem Frauchen schnurrend um die Beine. „Ne, nix mit einfach erschleichen, komm und hol’s dir!“, meint sie lachen und hält mir das Leckerli kurz vor die Nase es auch wieder aus meiner Reichweite verschwindet. Der leckere Kringel befindet sich nur wenige Naselängen von mir entfernt und er duftet bereits so lecker! Entschlossen stelle ich mich auf meine Hinterpfoten und versuche das Leckerli schnell zu erreichen. Doch zu früh gefreut! Mein Mensch weicht meinem Versuch aus und hebt die Hand noch etwas höher. Gemeinheit! Protestierend Fauche ich halbherzig ohne die Hand mit dem Leckerli aus den Augen zu lassen. Da der Trick mit den Hinterpfoten nicht geklappt hat, kauere ich mich ein wenig zusammen und spanne meine Muskeln an. Wachsam halte ich die Augen auf die Hand meines Menschen gerichtet, dort wo sie das verführerische Leckerli zwischen zwei Fingern baumeln lässt. „Komm, Miez Miez!“, fordert mein Frauchen mich grinsend auf. Ich aber warte noch ein bisschen ab. Genau in dem Moment wo sie kurz wo anders hin sieht, springe ich zielgenau ab, schnappe das heiß ersehnte Leckerli mit den Zähnen und lande mitsamt Beute sicher wieder auf den Boden. Sofort wird es schnurrend verputzt und auch die folgenden Streicheleinheiten und Liebkosungen sowie das Lob lasse ich mir gerne gefallen. Anschließend nehme ich auf dem Schoß meines Menschen Platz und lasse mich genüsslich schnurrend in den Schlaf kraulen, auch wenn ich zwischendurch mal geweckt werde und auf ein weiches Kissen gesetzt. Es war eben doch ein anstrengender Tag für mich und es geht nichts über ein erholsames Schläfchen um den Tag erfolgreich abzuschließen.


update am 28. 01. 15 Das unverwechselbare Geräusch von Frühstück weckt mich schließlich auf. Mit zuckenden Ohren lecke ich mir über die Nase und strecke mich ausgiebig ehe ich mich der Katzenwäsche hingebe. Erst als mein Fell wieder schön glänzt hüpfe ich von dem weichen Kissen, strecke mich nochmal und kratze kurz mit meinen Krallen über den Boden. Dann geht es auch schon mit aufgerichtetem Schweif in den Futterraum. Auf dem Weg dahin steigt mir auch schon dieser bittere Geruch von diesem Zeug in die Nase, das manche Menschen scheinbar zum Wachwerden brauchen. Außerdem riecht es nach warmer Milch und nach Blut! Das bedeutet mein Essen kann auch nicht mehr weit sein. Ich flitzte regelrecht in den Raum hinein und verliere kurz die Haftung. Unerwartet rutsche ich über den Boden und an meiner Schüssel vorbei direkt gegen die Wand. Davon lasse ich mich aber nicht aufhalten! Kaum dass ich wieder die Chefin meiner Beine bin, stehe ich schon vor der Schüssel und schnupperte neugierig daran. Das Lachen meines Menschen stört mich dabei gar nicht! Aber noch bevor ich mich an mein Fresschen machen kann, streichelt sie mir sanft über den Rücken und meint: „Nicht so eilig, futtert dir doch niemand weg, Cleo.“ Das mag schon sein, aber es riecht einfach so verdammt lecker! Genüsslich schnurrend mache ich mich über mein Fresschen her. Anschließend gibt es noch ein paar Schlückchen Milch und nachdem ich mich auch wieder sauber gemacht habe, gehe ich auch schon auf die Suche nach meinen morgendlichen kraul, schmuse und Kuscheleinheiten. Die Gelegenheit ist auch schnell ausgemacht, immerhin sitzt mein Mensch mit einer Tasse am Tisch und nippt immer wieder daran. Zugleich starrt sie schon wieder in das leuchtende Teil. Ich frage mich wirklich langsam was es damit auf sich hat. Nichts desto trotz schleiche ich schnurrend an und nehme Maß. Vorsichtig bringe ich mich in Stellung, spanne meine Muskeln leicht an und springe dann mit einem gewaltigen Satz ab! Purrfekt gezielt lande ich genau im Schoß meines Frauchens und kann mich auch dort nach einem frechen Miau zusammenrollen. „Huch! Wer will denn da Schmusen?“, fragt sie überflüssigerweise ehe sie anfängt mir den Kopf zu kraulen und mir über die Ohren zu streicheln. Oh, wie ich es liebe wenn ich zwischen den Ohren gestreichelt werde und den Rücken entlang und dann über den Bauch! Ich könnte das den ganzen Tag lang genießen. Einfach nur gekrault und gestreichelt werden und dabei langsam eindösen. So lässt sich der Tag doch gut starten. Ein leckeres Frühstück und anschließend sich einfach nur verwöhnen lassen. Genüsslich strecke ich die Pfoten aus und lasse mich weiter liebkosen. Leider endet die morgendliche Kuschelstunde viel zu früh. Zumindest für meinen Geschmack. Frauchen hebt mich sanft hoch, haucht mir ein Küsschen auf den Kopf und setzt mich auf den Boden. „Tut mir leid, Süße, aber ich muss noch was erledigen. Sei eine brave Mietze und stell nichts an.“, meint sie noch schmunzelnd und wuschelt mir noch über den Kopf ehe sie mich in dem Fresszimmer alleine lässt. Kurzerhand tapse ich wieder ins Schmusezimmer, mache es mir dort bequem und genehmige mir ein sehr ausgiebiges Bad. Nach geschätzten zwei Schläfchen mache ich mich auf den Weg in meinen Garten. Scheinbar ist über Nacht noch viel mehr von dem weißem Zeug herunter geschwebt und sich anschließend nieder gelassen. Kaum das ich durch die Klappe bin, versinke och auch schon bis zu den Knien in dem Zeug. Brrrr, ist das Kalt! Eilig tapse ich durch den Garten bis zur Mauer und schaue nach oben. Auch dort liegt das Zeug hoch. Missmutig und ein wenig angefressen nehme ich nun doch den etwas leichteren Weg. Und zwar den, der von meinem Menschen zum Großteil vom Zeug befreit wurde. Allerdings bietet mir das nicht die gewünschte Übersicht über mein Revier! Schnell drehe ich auch schon wieder um, laufe in meinen eigenen Spuren zurück und springe aus dem Laufen heraus auf die Mauer. Ein voller Erfolg! Ich bin oben auf, allerdings komplett mit dem kalten Zeug bedeckt. Schnell schüttle ich es ab und lasse dann meinen Blick über mein Reich schweifen. Alles ist weiß und nur ein paar Spuren sind zu sehen. Zufrieden stolziere ich über die Mauer und stapfe durch das weiße Zeug bis ich an der Ecke ankomme. Dort wird mein Blick von der Laterne ganz in den Bann gezogen. Gefrorenes Wasser hängt an den Rändern herab und die Sonne blinkt und glitzert wunderschön darin. „Hey! Pfötchen! Pfötchen! Träumst du schon wieder vor dich hin?“, dringt Weißpfotes Stimme laut an mein Ohr und erschrickt mich so, dass es mich fast von der Mauer geworfen hätte. Ich konnte mich aber gerade noch an der Kante festhalte und mich wieder hochziehen. Allerdings bin ich nun wieder von dem weißen Zeug bedeckt. „Weißpfote! Du sollst dich doch nicht immer an mich ranschleichen!“, murre ich und schüttle mich gut durch. „Tut mir leid, aber du starrst immer so abwesend in die Luft wenn ich komme. Kann doch nichts dafür, dass du mich nie bemerkt.“, entgegnet er etwas kleinlaut und auch ein wenig verletzt klingend. „Schon gut, war auch nicht böse gemeint. Du hast mich nur so überrascht.“, antworte ich möglichst freundlich und springe von der Mauer. Gleich darauf schmiege ich mich sanft schnurrend an Weißpfote und lecke ihm sanft über den Kopf. „Nicht böse sein, ja?“, flüstere ich leise. Er sieht mich erst ein wenig schief an, kuschelt sich dann aber auch an mich und leckt mir über den Rücken. „Könnte ich doch nie“, meint er schnurrend. „Also, was machen wir heute?“, frage ich Weißpfoten neckend während ich noch frech an seine Wange knabbere. Kichernd schubst er mich erst einmal ein wenig weg und schüttelt sich anschließend ausgiebig. „Silberfell will, dass ich mit dir zu Sherlock gehe“, antwortet er und wirkt dabei nicht gerade glücklich. Leise kichernde lecke ich mir über die Nase und frage dann verwundert: „Sherlock? Was ist denn das für ein Name?“ Weißpfote holt tief Luft und plustert sich etwas auf. „Sherlock ist ein gruseliger, alter Kater der alles weiß. Er besteht darauf, dass man ihn Sherlock nennt anstatt, wie alle anderen, bei einem richtigen Katzennamen. Außerdem führt er gerne Selbstgespräche mit einem Doktor Watson und hat generell ein Rad ab. Ich weiß auch nicht warum ich dich zu ihm bringen soll. Aber Silberfell meint, es wäre gut für dich. Zum Glück sind es nur ein paar Schläfchen bis zu ihm.“, erklärt Weißpfote ein wenig ausschweifend und nicht ohne mir das Gefühl zu vermitteln, dass er lieber etwas anderes täte.


Updaten 4. 2. 15

Auf diesen Sherlock bin ich nun schon ganz gespannt und daher den Weg zum ihm eher ein wenig hibbelig, sodass ich Weißpfote immer wieder mal ein wenig an stupse. Allerdings macht ihn das gerade nicht viel Gesprächiger. Irgendwann ist mir seine gedrückte Stimmung dann doch etwas zu viel! Frech und ohne Rücksicht auf Verluste nehme ich an einer Kurve ausreichend Schwung und lande mit Weißpfote in dem weißen Zeug.

Erst will er sich nicht davon machen, aber ich habe ihn schnell an seinem Schweif und ziehe ihn wieder zurück. Dann geht es richtig Rund! Mit einem leisen Knurren stürzt er sich verspielt auf mich. Ich erwidere das Knurren und stelle mich leicht auf meiner Hinterpfoten, nur um von Weißpfote umgeworfen zu werden. Anschließend rollen wir kreuze und quer durch das weiße Zeug. Mal bin ich oben, mal ist es Weißpfote. Dabei Knurren, Fauchen und Mauzen wir verspielt.

Ein paar Minuten später löst sich unser Katzenkampfeknäuel auf. „Wie sieht du denn nun aus?“, frage ich Weißpfote grinsend. Der schwarze Kater ist auf und auf mit dem weißen Zeug bedeckt und stellt das Fell in dichten Büscheln auf. Hier und da ist er auch ganz nass. Jedenfalls sieht er richtig zum Totlachen aus. Weißpfote schüttelt sich kurz das Zeug aus dem Fell und leckt sich über die Nase. „Du siehst auch nicht gerade frisch geleckt aus!“, erwidert er schmunzelnd und wirft mir eine Pfote von dem Zeug ins Gesicht. Kichernd schüttle ich mich ordentlich durch und fange dann an mein Fell wieder halbwegs in Ordnung zu bringen. Weißpfote hilft mir bei ein paar Stellen und ich korrigiere im Gegenzug sein Fell wo es nötig ist.

Halbwegs ordentlich und bester Laune setzen wir den Weg fort. Es geht in die Richtung des Dorfes, allerdings biegen wir am äußeren Rand ab. Weißpfote führt mich einen Hügel hinauf an dessen Spitze so ein seltsames Gebäude steht. Eines von denen mit den Kreuzen und spitzen Dächern, aber nur ein kleines. Auf dem Weg nach oben stehen immer wieder Tafeln aus Stein, die auch eine seltsame Form haben. Oben angekommen bestaune ich als erstes die Aussicht. Von hier kann man da Menschendorf richtig gut überschauen. Besonders gefallen mir die in der Sonne glitzernden Dächer.

„Im Winter ist die Aussicht wirklich einmalig schnurrig“, dringt eine Stimme überraschend an mein Ohr. Und zwar so unerwartet, das ich einen guten Meter in die Luft springe! Sicher auf allen Vieren gelandet, schaue ich den Sprecher mit angelegten Ohren und leisem Fauchen kritisch an. „Ich hab dir gesagt, er wäre gruselig!“, meint Weißpfote von der Seite. Nun, so wirklich gruselig finde ich ihn ja nicht. Bei meinem Erschrecke handelt es sich um einen handelsüblichen, grauen Kater. Bauch und Brustfell sind fast weiß und auch die Söckchen sind es. Sein Fell ist ein wenig länger und ziemlich zerwuschelt. Genau genommen stellt er die Fransen ein wenig seltsam, als wäre er gerade durch einen Sturm gerannt. Einzig die gelben Augen wirken ein wenig gruselig.

„So, wen haben wir also hier?“, meint der Kater unbeeindruckt und mustert mich eingehend. Ich will gerade antwortet als er einfach weiterredet: „Beiges Fell, schwarze Punkte, lange Beine, relativ große Ohren und Pfoten, guter Springer. Distinktives Fauchen. Gute Zahnstruktur und ausgewogene Ernährung. Verschmustes Wesen. Elementar mein lieber Watson! Wir haben hier eine Vertreterin einer recht neuen Katzenrassen.“

„Siehst du, Gru – se – lig!“, flüstert Weißpfote mir zu und deutet leicht mit den Kopf auf den grauen, zerwuschelten Kater. Ich bin kurz davor ihm zu zustimmen. „Bist du Sherlock?“, frage ich dann ungeniert. Der graue Kater fixiert mich mit den Augen und nickt. „Ja, das bin ich tatsächlich! Du hast also von mir gehört. Was hat mich verraten? Mein Fell? Der Dreck unter meinen Krallen? Oder waren es Reste in meinen Zähnen? Vielleicht eine distinktive Gangart? Los, sag schon!“, kommt ein Redeschwall als Antwort. Einen Augenblick lang bin ich völlig überrascht ehe ich den Kopfschüttle und antworte: „Weißpfote sollte mich doch zu dir bringen, auf Silberfells Anweisung.“

Sherlock atmet enttäuscht aus und einen Moment lang tut er mir richtig leid. „Und was will Silberfell, das ich tue?“, wendet er sich anschließend an Weißpfote. Dieser windet sich unbehaglich unter Sherlocks Blick und antwortet: „Sie meint, du würdest schon wissen was zu tun ist, wie immer.“ Der graue Kater nickt leicht und mustert mich wieder eingehend. „Hat also bestimmt etwas mit dir zu tun, Pfötchen“, meint er und legt den Kopf ein wenig schief. „Vermutlich… Hey! Woher kennst du meinen Namen?“, erwidere ich und lege erneut die Ohren an. Sherlock legt nur den Kopf ein wenig schief und meint gelassen: „Ach kommt, tu nicht so überrascht, du bist doch spätestens seit gestern Abend in aller Munde. Ich glaube sogar das Parlament von der anderen Flussseite hat schon von dir gehört. Nachrichten verbreiten sich recht schnell, vor allem wenn sie einen Clan der Wildkatzen beinhalten. Du musst ziemlich beeindruckend auf sie gewirkt haben.“

„Ich? Beeindruckend? Ich hab keine Ahnung warum die so wild darauf sind mich auszubilden. Mal ganz davon abgesehen, wer hat überhaupt gesagt, dass ich das will?“, fauche ich ungehalten zurück. Weißpfote geht instinktiv ein paar Schritte zurück und kauert sich zusammen während Sherlock einfach nur ruhig sitzen bleibt. „Es ist natürlich im Grunde deine Entscheidung. Allerdings ist es auch eine Berufung für jede Katze und wenn du deine Menschen beschützen willst, brauchst du zumindest ein gewisses Grundwissen“, erklärt der graue Kater gelassen und leckt sich anschließend die Pfoten sauber.

Derweil schleicht Weißpfote sich vorsichtig an mich heran und leckt mir sanft über den Rücken. Leise schnurrend mustere ich Sherlock noch einmal genauer und zucke leicht mit den Ohren. „Und was genau hast du nun mit der Sache zu tun?“, frage ich ihn kritisch. Der Kater plustert sich richtig auf und streckt sich stolz auf volle Größe. „Ich bin der große und geniale Sherlock! Meisterdetektiv und einmalig begabt darin, aus den wenigsten Spuren zu der richtigen Lösung zu kommen. Davon abgesehen bin ich auch ein Former“, erklärt Sherlock recht großspurig und sehr stolz. Jeden Moment könnte er platzen, so plustert er sich auf.

„Oh, natürlich! Der große Sherlock!“, gebe ich voller falscher Bewunderung zurück. Weißpfote stubst mich leicht an, ehe er sich ein paar Schritte von mir entfernt. „Du hast den Dings, wie hieß es noch? Oder war es der große Dingsbums. Ähm, nein, doch nicht. Ich fürchte ich hab noch nie von dir gehört“, setze ich ungeniert frech nach. Schwoll Sherlock bei meinem ersten Sätzen noch sichtbar an, entwich das alles zum Schluss. Eine schnelle Bewegung von dem alten Kater und ich hänge fauchend in seinem Maul. Fest am Nacken gepackt, trägt er mich baumelnd zum Rand des Hügels, dort wo es steil nach unten geht. „So frechen Kätzchen wie dir muss man immer erst Beibringen andere zu respektiere!“, knurrt er hervor und mit einem leichten Schwung segle ich auch schon jämmerlich Mauzend durch die Luft.

Leider ist der Hang einfach zu steil um sauber auf allen Vieren zu landen. Ich schaffe es zwar mit den Pfoten voran zu landen, komme aber sofort ins Rutschten und überschlage mich mehrmals bis ich unten angekommen bin. Dort muss ich mich erst aus dem weißen Zeug herauswinden und es mir anschließend aus dem Fell schütteln. Fauchend schaue ich nach oben wo Sherlock in Siegerpose steht. „Du kannst wiederkommen, wenn du Respekt gelernt hast!“, ruft er mir zu, dreht sich um streckt den Schwanz in die Höhe. Ich fauche ihm noch nach ehe mich durch das weiße Zeug quäle und mich grummelig auf den Heimweg mache.

Von Weißpfoten ist auf dem ganzen weg nicht ein schwarzes Haar zu sehen. Aber das ist mir nur recht! Ich muss mich nicht von so einem alten, launischen Kater durch die Gegend werfen lassen. Und überhaupt muss ich mir von dem ganzen Katzenpack hier nichts gefallen lassen! Mit diesen Gedanken im Kopf erreiche ich endlich meinen Garten. Ganz ohne Umwege geht es direkt durch die Klappe hinein und anschließend ins Kuschelzimmer. Dort mache ich es mir auf dem Sofa bequem und lecke mir das Fell sorgsam sauber. Dieser Sherlock kann mich mal! Und die anderen Katze auch. Ich hab es hier schön warm und bequem.


Update – 11.2.2015

Die nächsten Tage verbringe ich nur drinnen im Warmen und lasse es mir richtig gut gehen. Die meiste Zeit schlafe ich, lasse mich von meinem Frauchen verwöhnen oder nasche an kleinen Leckerlies. Ich habe auch ausgiebig Gelegenheit das komisch leuchtende Teil von meinem Menschen genauer zu untersuchen. Es riecht zumindest nicht nach etwas zu essen oder dergleichen, aber es wird angenehm warm und eignet sich daher ganz gut um sich darauf zu legen. Wobei so ein weiches Kissen doch um einiges angenehmer ist.

Alles ist in schnurrigster Ordnung und an Sherlock denke ich auch kaum noch. Ich strecke mich gemütlich im Kuschelzimmer aus während mein Frauchen unterwegs ist. Gähnend schaue ich den tanzenden Flammen im Kamin zu und rolle mich von einer Seite auf die andere. Ah, so lässt es sich durchaus leben! Kein Stress, niemand der irgendwelche seltsamen Sachen von mir verlangt und ganz besonders kein komisches Parlament und Wildkatzen die mich durch irgendeine Ausbildung hetzen wollen.

Ein eindringliches Räuspern bringt mich dazu die Augen zu öffnen, nur um in das flache Gesicht einer schwarzen Perserkatze zu starren. Sofort dringt ein möglichst tiefes Knurren aus meiner Kehle. „Och, das ist aber ein niedliches Knurren. Keine Angst, ich bin nicht hier um dir dein Revier streitig zu machen“, meint der Kater unbeeindruckt und streckt sich kurz eher mit einem kräftigen Satz seiner stämmigen Beine zu mir auf das Sofa springt. Misstrauisch beobachte ich ihn dabei und setzt mich auf ehe ich ihn frage: „Was willst du dann von mir?“

„Nur reden“, antwortet der Kater prompt, fügt aber kurz darauf hinzu: „Wie es scheint hast du ein kleines Problem mit dem Parlament und insbesondere mit einem gewissen Kater.“ Missmutig schaue ich die Perserkatze an und zucke mit den Ohren. „Ich wüsste nicht, was es da zu reden gibt!“, murre ich ungehalten. „Ehrlich gesagt eine ganze Menge. Aber davor sollte ich mich wohl vorstellen. Ich bin Watson“, entgegen er gelassen und reckt sich leicht. Schweigend schaue ich Watson an und lecke mir kurz über die Nase. „Ich sehe schon“, meint der Kater ganz nebenbei und macht es sich richtig gemütlich, „Du bist ein richtige Härtefall. Stur und unbeugsam. Oder ist es vielleicht nur dein verletzter Stolz?“

Erneut knurre ich möglichst bedrohlich, auch wenn es allen Anschein nach nicht den gewünschten Effekt hat. „Ich lass mich doch nicht einfach so über einen Hang werfen!“, maule ich anschließend ungehalten. Watson, der vermutlich fast dreimal so groß wie ich ist, zuckt nur leicht mit den Ohren. Er legt den Kopf ein wenig schief: „Und wie glaubst du hat sich Sherlock gefühlt? Sich von einen kleinem Kätzchen wie dir so auf den Arm genommen zu werden? Er mag ja etwas seltsam und eingebildet sein, aber das ist kein Grund so mit ihm umzugehen. Weiß du, er hat allen Grund auf sich selbst Stolz zu sein.“ Ich mache mich ganz klein bei der Ansprache. So hatte ich das ganze gar nicht betrachtet.

Watson nickt zufrieden, richtet sich auf und hopst dann mehr oder weniger elegant auf den Boden. „Du weiß also was nun zu tun ist, Pfötchen. Ich freue mich auf unser Wiedersehen, unter freundlicheren Bedingungen“, sagt der Kater kurz bevor er mit erhobenem Schweif aus dem Raum spaziert. Eilig stehe ich auf und springe herunter, hetzte dem Perserkater nach, nur um dann festzustellen, dass er nirgends mehr zu finden ist. Als hätte er sich in Luft aufgelöst. Einfach so. Poff! Weg. Nachdenklich zucke ich mit den Ohren und tapse wieder zurück ins Kuschelzimmer.

Nach einem Schläfchen springe ich von dem Sofa, gähne und strecke mich ausgiebig durch, sodass alle Muskeln so richtig schön durchgestreckt werden. Anschließend tapse ich gemütlich ins Fresszimmer und lasse mir die Milch schmecken. Frauchen scheint noch immer nicht wieder da zu sein, aber das ist auch nicht so ungewöhnlich. Ich lecke mir die Milchreste aus meinen Schnurrhaaren und mache mich langsam auf dem Weg zu der Katzenklappe. Vorsichtig stecke ich den Kopf nach draußen.

Schnell ziehe ich den Kopf wieder zurück. Da draußen stürmt es richtig! Das weiße Zeug fliegt mit einer irrwitzigen Geschwindigkeit durch die Gegend und lässt mich gerade mal bis zum Ende meines Gartens sehen. Brrr, was für ein ungemütliches Wetter. Unentschlossen schaue ich von der Klappe zum warmen Kuschelzimmer und wieder zurück. Ich könnte die Sache auch noch Morgen erledigen, wenn es weniger kalt und eisig ist. Andererseits will ich die Sachenhinter mich bringen! Genervt von meinen eigenen Gedanken schüttle ich den Kopf und springe beherzt nach draußen.

Kaum das ich meinen Garten hinter mir gelassen habe, bereue ich die Entscheidung. Es ist noch viel kälter und stürmischer als gedacht! Außerdem weht mir das weiße Zeug immer in die Augen. Die meiste Zeit sehe ich nur weiß und muss mich mehr darauf verlassen, dass ich den Weg noch richtig im Kopf habe. Die Kälte zieht mir langsam unters Fell und lässt mich erbärmlich zittern.

Mit klappernden Zähnen und schneebedeckt erklimme ich langsam den Hügel mit dem seltsamen Gebäude. Dort oben bläst der Wind noch stärker und eisiger. Außerdem ist eine Spur von Sherlock zu sehen. Ich schleiche mich vorsichtig in den Windschatten des Gebäudes und setze mich dort hin. Müde und vor allem durchgefroren hebe ich abwechselnd die Vorderpfoten. „Sherlock!“, mauze ich armselig gegen den Wind an: „Es tut mir leid!“ Nichts, es wird nur immer kälter und ich immer müder. Mir fällt es jetzt schon schwer überhaupt die Augen offen zu halten.

Erschöpft lasse ich mich in das weiße Zeug sinken, das mit einem Mal gar nicht mehr so kalt ist. Langsam schließe ich die Augen, es wird angenehm warm, fast wie zu Hause in meinem Kuschelzimmer vor dem Feuer. Herrlich warm und gemütlich. Schlafen! Ich will einfach nur Schlafen. „Stures Kätzchen“, vernehme ich in scheinbar weiter Ferne und öffne leicht die Augen. Im weißen Sturm kann ich kurz eine riesige Silhouette ausmachen ehe mir die Augen wieder zu fallen. Kurz darauf kann ich noch spüren wie ich sanft hochgehoben werde, ehe ich endgültig einschlafe.

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