Die Weihnachtsbäckerei und die Katze

Wie jedes Jahr beginnt die Arbeit in der Weihnachtsbäckerei bereits Wochen vor dem Heiligen Abend. Die Englein beginnen damit die ganzen nötigen Zutaten für das himmlische Gebäck von überall aus der Welt zu besorgen. Es müssen immerhin genug Kekse für das Fest gebacken werden. Geschwind schwirren die kleinen Englein durch die weitläufige Bäckerei, beladen mit Mehl, Eiern, Butter, Zucker oder was auch immer man für die ganzen Plätzchen benötigt. Es grenzt schon beinahe an ein Wundern, dass es zu diesem Zeitpunkt noch nicht aussieht wie auf einem Schlachtfeld! Den obwohl die kleinen Engel bereits eine Menge Übung in ihrer Arbeit haben, neigen sie doch dazu, sich ein kindlich zu verhalten. In dieser Zeit noch mehr an sonst, denn Weihnachte ist doch ein Fest besonders für die Kinder.

Neben den ganzen Zutaten für die Kekse müssen die Englein aber auch noch andere Sachen besorgen. Immerhin kann man sie nicht einfach so auf den Tisch werfen. Teller und Kartons werden rauen Mengen angeschleppt. Hier erweisen sich die Englein als sehr einfallsreich. Alles, das man irgendwie verwerten kann wird aufgesammelt um dann entsprechend gereinigt und weiterverwertet zu werden. Man könnte sich durchaus darüber wundern, was man alles mit ein paar gebrauchten Pappschachteln anfangen kann. Bei all dem Stress vor Weihnachten, wo alles schnell gehen muss, ist es auch kein Wunder, wenn die sonst so achtsamen Engel mal etwas übersehen. Die Folgen davon sind allerdings kaum absehbar.

Unter den ganzen, leeren Kartons, welche von den Engelein fleißig eingesammelt werden, befindet sich einer, der nicht ganz leer ist. Aber durch den sanften Transport der himmlischen Heerscharen kann der blinde Passagier ungestört weiterschlafen. Zumindest bis zu dem Moment, als der ganze Kartonstapel zufällig umfällt. Zu dem Zeitpunkt ist es allerdings bereits zu spät um die Flucht direkt zu ergreifen. Stattdessen kullert ein Kätzchen unbemerkt aus dem Verpackungsstapel hervor. Verkehrt herum bleibt sie an einer Wand liegen. Leicht verwirrt leckt sich das Fellknäuel über die Nase, bevor sie sich auf die Pfoten dreht. Schnell nutzt das Tier noch die Chance um das weiße, mit roten Flecken versehene, Fell noch auf Vordermann zu bringen. Dann kann das neugierige Tierchen auch schon nicht mehr anders, als sich umzusehen. Bis auf die scheinbar endlosen Stapel an Karton gibt es hier allerdings nichts zu sehen. Zum Glück aber haben die Engel wohl vergessen, die Tür komplett zu schließen. Warum sollten sie auch?

Geschickt wird der Spalt zwischen Tür und Rahmen gerade so weit geöffnet, dass der Kopf und damit auch der Rest des Körpers hindurch passen. Auf Samtpfoten bewegt sich das Kätzchen durch den hellen Flur, sich dabei eng an den Seiten haltend. Immer wieder zucken die Ohren des Tieres. Es dauert nur ein paar Minuten, bis die Katze eine weitere Tür findet, durch welche sich schlüpfen kann. In dem Raum riecht es bereits nach den ersten, frischen Keksen, welche von den Engeln aus den Öfen geholt wurden. Der verführerische Duft schlängelt sich frech in die Nase des Kätzchens. Hungrig leckt sich das Tier über die Lefzen.

Als am nächsten Morgen die Engel wieder in der Backstube mit den Keksen weitermachen wollen, finden sie dort eine unglaubliche Unordnung vor. Nicht nur, dass viel der bereits fertigen Kekse sich auf dem Boden befinden, auch einige Flaschen Milch liegen zerbrochen auf dem Boden. Zucker und Mehl ist auf den Boden verteilt, beinahe Kunstvoll mit Abdrücken von kleinen Pfoten versehen. „Ach herrje! Was ist denn hier passiert?“, ruft eines der Engelchen überrascht aus, ehe es sich durch die blonden Locken wuschelt. Aufgeregt schwirren sie umher, werfen Blicke in alle Ecken um den Störenfried zu finden. „Hier nicht.“ „Hier auch nicht.“ Kommen die Meldungen von allen Ecken der Backstuben. Trotz der Spuren sind die Engelchen nicht in der Lage, der Verursacher der Sauerei aufzufinden. Die Spuren verlaufen sich auch relativ schnell ins nichts.

Regelrecht aufgescheucht machen sie die Engel daran, auch die anderen Teile der Weihnachtsbäckerei zu durchsuchen. Geschwind flattern sie durch die Gänge, in jedem Lagerraum und jeder Nische, in der sich jemand verstecken könnte. Regale werden leergeräumt, Flaschen neu sortiert, alles nur um den ungewöhnlich unauffälligen Störenfried zu finden. Bei dem ganzen Gewusel ist es auch kein Wunder, wenn jemand anderes die Probleme mitbekommen.

Der heilige Petrus, sonst meist an der Tür zu den himmlischen Gefilden zu finden, schreitet erhaben durch die Gänge der Bäckerei um zu sehen, ob auch alles auf dem richtigen Weg für das Weihnachtsfest ist. Die sonst freundlichen Augen betrachten das unerwartete gewuselt mit leichter Irritation. „Was ist denn hier los? Das sieht nicht aus, als würden hier Kekse gebacken“, fragt er freundlich während er sich mit einer Hand durch den weißen Bart streicht. Beim Erklingen der Stimme des Himmelspförtners halten die Englein inne. „Oh, Petrus! Jemand hat über Nacht eine große Unordnung hinterlassen. Leider haben wir den Verantwortlichen noch nicht gefunden“, klärt ein blonder Engel ihn auf.

„Nun, das können wir jetzt gar nicht gebrauchen. Sucht weiter, aber lasst Euch davon nicht zu sehr ablenken“, meint Petrus mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen. Dann geht er auch schon weiter. Derweil suchen einige Englein weiter während die anderen sich wieder an die Arbeit zu machen. Jede Menge Teig muss noch geknetet werden, ausgerollt und ausgestochen, ehe die Kekse in die Öfen müssen. Anschließen gehören sie noch gefüllt, mit Zucker betreut oder anderweitig vorbereitet. Und dass alles während sich noch jemand unbekanntes in der Bäckerei herumtreibt.

Es dauert auch nicht lange bis der leckere Geruch von frisch gebackenen Keksen in die Nase der Katze steigt. Gut versteckt in einem alten Versandkarton ist sie bisher den wachsamen Augen der Engel entkommen. Schnuppernd reckt das Kätzchen die Nase aus dem Karton, ehe es sich über die Nase leckt. Der verlockende Geruch aus den Öfen ist einfach zu viel der Versuchung! Mit leisen Schritten bewegt sich das Tier aus dem Versteckt hinaus. Vorsichtig schleicht sich die Katze aus dem Kartonlager hinaus und in Richtung der Backstube. Geschickt versteckt sich der Stubentiger vor den Blicken der Englein, indem er sich hinter den Ecken verbirgt bis die Luft rein ist. Das Ganze gewuselt kommt der Katze dabei ganz gelegen. So dauert es auch nicht lange, bis das Kätzchen die inzwischen wieder aufgeräumte Backstube erreicht.

Ab hier hat das Kätzchen allerdings einige Problem. Es wuseln viel mehr Engel geschäftig zwischen den Öfen hin und her während sie volle Bleche aus den Öfen holen oder wieder hineinschieben. Der Geruch der frischen Plätzchen ist dafür um einiges intensiver. Der kleine Tiger wartet geduldig hinter einem Fuß der vielen Tische darauf, dass die kleinen Geflügelten die Augen von dem frischen Blech nehmen. Dabei zuckt der Schweif aufgeregt herum.
Nach scheinbar endlosen Minuten ist es dann soweit. Sofort packt die Katze die Gelegenheit am Schopf und springt mit einem gewagten Satz auf den Tisch, nur um sie dann das Mäulchen fast an den heißen Keksen zu verbrennen.

Noch während die Katze versucht, den heißen Keks zu verputzten ohne sich dabei das Mäulchen zu verbrennen, erklingt die helle Stimme eines Engels: „Da! Fangt die Katze.“ Kurz schaut das Tier ein wenig verwirrt zu den Engeln bevor sie auch schon von dem Tisch springt und davonrennt. Dicht gefolgt von mehreren ‚Halt‘ rufenden Engeln biegt die Katze auch schon mit so einer Geschwindigkeit um di nächste Ecke, dass sie gerade noch so die Kurve schafft. Weiter geht die Verfolgung durch die Gänge der Weihnachtsbäckerei, durch andere Räumen bis hin zu den Lagerräumen. Es ist ein Wunder, dass dabei nichts zu Bruch geht. Aber einfangen können die Englein die Katze auch nicht. Sie scheint immer ein paar Schritte zu weit weg zu sein.

Weiter geht die Jagd durch die Bäckerei, bis schließlich der heilige Petrus ganz unerwartet um eine Ecke biegt, direkt in den Weg der Verfolgung. Zu spät um den Pförtner noch auszuweichen, springt das Kätzchen einfach nach oben. Geistesgegenwärtig fängt Petrus die kleine Katze auf, nur um anschließend von den Englein umgeworfen zu werden. Leise lachend schaut er freundlich zu den Engeln und anschließend zu der Katze in seinen Armen. „Also du bist der kleine Störenfried hier, was?“, fragt Petrus schmunzelnd während die Englein ganz aufgeregt herumflattern und versuchen ihn wieder auf die Beine zu helfen. Der Pförtner richtet sich langsam wieder auf, ohne dabei die Katze loszulassen, welche im Gegenzug recht nervös in seinen Armen zuckt. „Ich weiß genau was wir mit dir machen“, meint Petrus leicht lächelnd während er die Katze vor sich hochhält. Dieser fällt natürlich nichts Besseres ein, als nach dem weißen Bart des Heiligen zu greifen.

Am Heiligen Abend findet ein kleines Mädchen neben dem Teller voller leckere Kekse eine weitere Überraschung. Mit einer Schleife um den Hals sitzt dort der unfreiwillige Einbrecher aus der Weihnachtsbäckerei mit einem eigenen Teller Kekse.


Frohe Weihnachten wünschen

Neko, Gizmo & Odin

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Über Neko

Freche kleine Katze mit einer Leidenschaft für Bücher und Geschichten :3 Meow!
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Eine Antwort zu Die Weihnachtsbäckerei und die Katze

  1. Christian Weis schreibt:

    Frohe Weihnachten! 🙂

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